23 Mannschaften, rund 450 Handballer und zu wenig Platz: Der ATSV Habenhausen sucht eine Lagerhalle zum Trainieren. Doch die ungewöhnliche Lösung hat ihren Preis – und der Verein stellt sich unbequeme Fragen.

Durch die Sanierung mehrerer Hallen ist die Trainingssituation beim ATSV Habenhausen vor allem im Jugendbereich aktuell schwierig.

Durch die Sanierung mehrerer Hallen ist die Trainingssituation beim ATSV Habenhausen vor allem im Jugendbereich aktuell schwierig.

Foto: Nils Conrad

Not macht einem Sprichwort zufolge erfinderisch. Bei der Handballabteilung des ATSV Habenhausen ist sie offenbar so groß geworden, dass diese einen außergewöhnlichen Weg einschlägt. Sie sucht über den Instagram-Kanal ihrer Jugendabteilung eine Lagerhalle im Bremer Süden mit 1000 Quadratmetern Fläche zum Trainieren. „Es ist ein Hilferuf, wir sind am absoluten Limit!“, betont der Gesamtvereins-Vorsitzende Alexander Svoboda. Sollte der Traditionsverein eine geeignete Lösung finden, stünden ihm allerdings höhere Kosten ins Haus.

Was zum Trainingsengpass führt: Eng sei die Trainingssituation beim ATSV Habenhausen auch so schon gewesen, meint der ATSV-Chef. Richtig in die Bredouille sei sein Klub durch die Sanierung verschiedener Hallen gekommen. Das betrifft vor allem die Halle Obervieland, die seit den Sommerferien für rund 15 Monate gesperrt sei und in der ein Trainingstag der ATSV-Handballer wegfalle. Da die Bezirkssportanlage Süd generalüberholt wird und die Temperaturen in der Halle nach dem Ausbau der Heizung unter 16 Grad gefallen sind, übt das wiederum Druck auf die Hallenzeiten der Wilhelm-Kaisen-Schule aus. Die hatte der ATSV eigentlich als Ersatz für seine Zeiten ins Auge gefasst. Dass Kinderfußballteams in der dunklen Jahreszeit – wie in jedem Jahr – in die Halle gehen, verschärft das Problem zusätzlich.

 

Die neue Trainingssituation: „Wir haben beim Landessportbund nach freien Kapazitäten gefragt, der hat aber keine mehr. Also haben wir Trainingszeiten zusammengestrichen und Mannschaften zusammengepfercht“, berichtet Svoboda. 23 Teams schickt der ATSV Habenhausen laut den Tabellen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und des Handballverbands Niedersachsen-Bremen in den Punktspielbetrieb. Zu denen gesellen sich noch die Maxis (Kinder im Alter von sieben bis acht Jahren), Minis (sechs bis sieben Jahre) und die Mo-Kids (vier bis fünf Jahre), die an sogenannten Spielfesten teilnehmen. Laut Svoboda besteht die ATSV-Handballabteilung aus rund 450 Mitgliedern.
„Wir haben Leistungsmannschaften wie die Regionalligamänner und die Bundesliga-B-Jugend, die kannst du nicht nur zweimal die Woche trainieren lassen“, erklärt er. „Wir wollen aber sowohl Leistungs- als auch Breitensport machen, denn wir fühlen uns gegenüber der Gesellschaft verpflichtet“, betont er.
Folglich würden nun in der Hinni-Schwenker-Halle bis zu vier Mannschaften parallel trainieren. Außerdem sei die Trainingsdauer für einige Teams von eineinhalb Stunden auf bis zu eine Stunde reduziert worden.

Was eine Ersatzlösung kostet: „Für ein Handballfeld benötigen wir eine rund 1000 Quadratmeter große Halle“, überschlägt Svoboda den grundsätzlichen Platzbedarf für eine Ersatzlösung. „Die Umnutzung einer Lagerhalle zur Sporthalle schlägt mit etwa 6500 Euro monatlich für Hallenmiete, Heizung, Miete eines geeigneten Hallenbodens und einiges mehr zu Buche. Hiermit könnte wenigstens die Trainingssituation entschärft werden. Wie eine Finanzierung möglich ist, bleibt noch zu klären“, lässt der 1. Vorsitzende durchblicken.

Was sich der Verein wünscht: „Wir haben 1983 die Hinni-Schwenker-Halle gebaut und später der Stadt übergeben, 2003 haben wir die Halle in der Kästnerstraße gebaut“, zählt Svoboda zunächst die Eigenleistungen des Vereins auf. Danach seien in der Region das Deichland-Wohngebiet und das Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee entstanden, von denen Letzteres zwar nicht zum Stadtteil Habenhausen zählt, von dem aber Teile der Bevölkerung beim ATSV Habenhausen trainieren. Das Gartenstadt-Wohngebiet habe zwar eine Turnhalle an der Grundschule erhalten, aber eben nur eine kleine. Die biete nicht genug Kapazitäten, um dort Handball oder Volleyball zu trainieren. Richtiges Geräteturnen sei dort ebenfalls nicht möglich, Ballgewöhnung und Turnen allerdings schon, was der ATSV dort auch durchführe. „Es wurde versäumt, die Hallenbedarfe entsprechend der zusätzlichen Bewohner der neuen Wohngebiete anzupassen“, sagt Svoboda.

Der Handballabteilungsleiter Oliver Behn erklärt ergänzend, dass es aktuell Probleme gebe, die Punktspiele der Jugendmannschaften alle in den verfügbaren Hallen anzusetzen. „Es ist nun eine Situation entstanden, bei der dringend zeitnah nachgesteuert werden und neue Hallen geschaffen werden müssen. Wir sind gerne Teil der Lösung und bringen uns gerne mit ein, das geht aber nur mit Unterstützung der Stadt. Wichtig ist uns, dass wir auch zukünftig Leistungs- und Breitensport im Handball anbieten können – und das für Jungen und Mädchen“, so Svoboda.

Bei den suboptimalen Bedingungen, die für seinen 2800 Mitglieder großen Verein zurzeit vorherrschen, könne es sonst schwieriger werden, Sportler zu halten. „Wir haben nach wie vor großen Zulauf. Bisher haben wir es im Handball noch vermeiden können: Aber wollen wir die Kinder ablehnen, weil wir keine Trainingskapazitäten mehr haben?“, fragt Svoboda. „Und irgendwo müssen die Kinder dann ja auch noch am Wochenende spielen können“, schließt er seine Ausführungen ab.

Quelle: 29.10.2026 Weser-Kurier, von Olaf Kowalzik