
Neun Tore im Vorspiel, ein Hattrick in der Regionalliga: Ben von Agris sorgt beim ATSV Habenhausen für Aufsehen. Warum der Auftritt des A-Junioren für Trainer Thomas Krüger mehr ist als nur eine Momentaufnahme.

ATSV-Schlüsselspieler Louis Beyer (am Ball) fällt aktuell wegen eines Bänderrisses aus.
Foto: Nils Conrad
Es ist der „Habenhauser Weg“, junge Talente systematisch zu fördern, sie weiterzuentwickeln und langfristig an den Herrenbereich heranzuführen. Dass diese strategische Neuausrichtung des ATSV Habenhausen erste Früchte trägt, zeigte sich bei seinem jüngsten 33:30-Heimsieg in der Handball-Regionalliga gegen den TV Cloppenburg, bei dem die A-Junioren Ben von Agris und Radoslaw Jurkowski top Eindrücke hinterließen.
Ben von Agris leitete seine ersten Treffer in der Männer-Regionalliga gleich mit einem lupenreinen Hattrick ein, den er binnen zwei Minuten zum 8:8 erzielte. Bemerkenswert war das nicht zuletzt deshalb, weil der Rechtsaußen noch dem jüngeren A-Jugend-Jahrgang angehört, er unmittelbar vorher schon beim 38:30-Erfolg der Habenhauser Verbandsliga-Männer gegen die TS Hoykenkamp gespielt und dort neunmal ins Schwarze getroffen hatte.
Gegen Cloppenburg war er insgesamt sechsmal erfolgreich, darunter traf er auch den Siebenmeter in der Drucksituation elfeinhalb Minuten vor Schluss zum 26:26. Was von einer enormen Nervenstärke des Linkshänders, aber eben auch von viel Vertrauen seitens des ATSV-Trainerstabs in das Talent zeugt. „Ben hat sich in eine Euphorie gespielt. Den Siebenmeter durfte er werfen, weil nach zwei vergebenen Strafwürfen jemand ran sollte, den der gegnerische Torwart nicht kennt“, verriet der ATSV-Trainer Thomas „Thommes“ Krüger. Er bescheinigte auch dem jungen Linksaußen „Radek“ Jurkowski (ein Tor), dass er ein tolles Spiel gemacht habe. „Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Kurs sind“, fand Krüger.
Von Habenhausen zum Profivertrag
Wie weit es Habenhauser Talente bringen können, zeigt nicht nur die Entwicklung ihres „Habenhauser Weg“-Schirmherrn Miro Schluroff zum aktuellen Nationalspieler. Auch Vincent Faciejew ist nach dem Durchlaufen sämtlicher Nachwuchsstationen beim ATSV vor Kurzem einen richtig großen Schritt gegangen. Der U18-Europameister unterschrieb beim THW Kiel einen Profivertrag und erzielte im DHB-Pokal zwei Treffer für die „Zebras“ gegen den Zweitligisten TV Hüttenberg.
Zurück zu den jüngsten Partien des ATSV Habenhausen in der Regionalliga, die für ein Wellenbad der Gefühle sorgten. Das galt insbesondere für den 34:25-Heimsieg Mitte September gegen die HSG Ruhmetal, bei dem der Rechtsaußen Louis Beyer bei der 13:8-Führung im Tempogegenstoß gefoult wurde, sich dabei einen doppelten Bänderriss im Fuß zuzog und bislang ausfiel. „Louis ist in unserem Spiel ein wichtiger Faktor“, betonte Thomas Krüger. Dennoch wurden auch ohne Beyer die Punkte gegen Ruhmetal eingefahren.
Im Gastspiel beim MTV Vorsfelde verloren die Blau-Weißen ihren Schlussmann Finn-Luca Schwagereit per Roter Karte, weil der beim 22:22 außerhalb des Neunmeters im Kampf um den Ball einen Gegenspieler touchierte. Bis zum 27:29-Rückstand hielt der ATSV die Tuchfühlung, es sollte sich jedoch rächen, dass er im gesamten Spiel mehrere Hochkaräter vergab. „Alle haben gespürt, dass da was geht. Wir sind zum falschen Zeitpunkt ins Hintertreffen geraten“, urteilte „Thommes“ Krüger. Er riskierte mit einer doppelten Manndeckung alles und musste sich dem MTV mit 27:35 geschlagen geben.
Team noch nicht eingespielt
Auch beim TV Bissendorf-Holte wurde es nichts mit dem ersten Auswärtssieg der Saison: Die Habenhauser gingen mit 28:35 zum dritten Mal in der Fremde leer aus. „Wir waren gegen den routinierten Gegner nicht so chancenlos, wie das Ergebnis aussieht“, sagte Krüger und ergänzte: „In 5 bis 10 Spielen sind wir mit unserer Entwicklung weiter, dann können wir ihnen gut entgegentreten.“
Mit 6:6 Punkten rangiert der Drittliga-Absteiger zurzeit auf dem siebten Tabellenplatz von 14 Teams.
„Das zeigt, dass wir nach unserer Kaderverjüngung nicht chancenlos sind“, so Krüger. Das größte Manko sei, dass er mit seinem Team nicht einmal in der kompletten Kaderstärke trainiert habe und es deshalb noch nicht richtig eingespielt sei. „Ich sage meinen Jungs immer, dass wir uns dadurch noch in der zweiten Vorbereitungsphase befinden“, erklärte er. Seine Mannschaft mache aber in spielerischer Hinsicht einige Schritte nach vorne. „Wir müssen im Moment mit einer 120-prozentigen kämpferischen Einstellung ins Spiel gehen, da die einfachen Tore noch nicht so klappen“, gab der Coach zu verstehen.
Quelle: 18.10.2026 Weser-Kurier, von Olaf Kowalzik



