
Erstmals finden Olympische Jugendspiele auf afrikanischem Boden statt. Mit dabei sind zwei Nachwuchssportler aus Bremen, die beim ATSV Habenhausen Beachhandball spielen. Das erwartet sie in Dakar.

Foto: Julia Nikoleit
Diesen Donnerstag hebt der Flieger mit Mads Krüger und Tayo Rodriguez ab. Von Frankfurt geht’s über Brüssel nach Dakar. Ziel: die Olympischen Jugendspiele im Senegal. Es ist die erste Olympiade auf afrikanischem Boden, zum ersten Mal ist bei den Youth Olympic Games (YOG) auch ein deutsches Beachhandballnationalteam am Start. „Das mal erleben zu dürfen, schafft nicht jeder“, freut sich Krüger auf das historische Spektakel.
In der Halle spielen Krüger und Rodriguez beim ATSV Habenhausen Handball, mit Doppelspielrecht beim Jugend-Zweitligisten HC Bremen. Ihr absolutes Highlight erleben sie jedoch vom 9. bis 13. November als U18-Nationalspieler bei den YOG im Sand – bei acht teilnehmenden Teams mit guten Aussichten auf Edelmetall.
Schon die zweitägige Kick-off-Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Frankfurt hat die beiden fasziniert. Denn das Einkleiden der 50 Athleten aus 15 verschiedenen Sportarten des Teams Deutschland wurde auch medial über verschiedene Social-Media-Kanäle begleitet. „Das war das Krasseste, das ich je erlebt habe“, findet Mads Krüger, der sein zehnköpfiges Team als Kapitän anführt. Rodriguez ist Co-Käpt’n.
Strapaziöse Reise
Rund 4600 Kilometer Luftlinie entfernt, in Dakar, wird alles noch beeindruckender, noch größer werden. Gewohnt wird im Olympischen Dorf, in das sich seit Samstag über 14 Tage 2700 Athleten aus 207 Ländern verteilen. Für dieses Erlebnis nimmt Krüger eine gut orchestrierte kleine Impfserie plus der üblichen Malaria-Prophylaxe in Kauf. Tayo Rodriguez kann das meiste davon auslassen, „weil ich vor zwei, drei Jahren schon mal in Afrika war“.

Der angehende Abiturient Tayo Rodriguez fährt nach Dakar – und muss anschließend verpasste Prüfungen nachholen.
Foto: Adrian Diener
Vor drei Jahren war auch der Zeitpunkt, als Jörn Franke, Trainer der „Nordlichter“ beim Beachhandball Club Bremen (BHC), seinen Spielern die Vision vom „Weg nach Dakar“ vorstellte. „Damals war die Olympiade für meine Spieler und deren Eltern so weit entfernt wie die Erde vom Mond“, sagt Franke und muss schmunzeln. „Da war ich nicht einmal Nationalspieler und hatte deshalb gedacht, dass meine Mitspieler damit gemeint seien“, blickt Mads Krüger zurück. Von den „Nordlichtern“ hat es auch noch der Torwart Lennart Otte (TuSEM Essen) in den deutschen YOG-Kader geschafft. Es wären wohl noch mehr von ihnen gewesen, wenn die Altersgrenze nicht kurzfristig um ein Jahr gesenkt worden wäre.
Schule muss warten
„Jörn hat einen großen Anteil an unserer Entwicklung, hat uns auch im Winter trainiert und gute Tipps gegeben“, lobt Rodriguez. Der angehende Abiturient verpasse durch die Olympiade nebst allen Maßnahmen drei, vier Langzeitklausuren in der Schule. „Das ist schwierig, weil ich alles nachholen muss. Aber ich bekomme das hin“, meint er.
Seit Sonntag befindet er sich mit Mads Krüger beim Nationalmannschafts-Abschlusslehrgang, der allein schon deshalb wichtig ist, weil die Spieler nach der Deutschen Meisterschaft Ende August nur noch einmal im Sand trainiert hatten. „Deshalb sind wir noch nicht ganz im Flow“, erklärt Krüger. Der große Favorit Brasilien ist da im Vorteil, der kann am Strand zu jeder Jahreszeit trainieren.
Auch wenn sich das deutsche Team im Senegal an die 33 Grad Lufttemperatur sowie die jugendherbergsähnliche Unterkunft (ohne Klimaanlage) gewöhnen und besonders auf die Ernährung achtgeben muss, bleibt Krüger optimistisch: „Ich habe bislang bei jeder internationalen Meisterschaft eine Medaille gegriffen.“
Jörn Franke will jedes Spiel mit den daheim gebliebenen „Nordlichtern“ mit Zuschauen auf einer Großbildleinwand und Fete zelebrieren. Im Herbstcamp schulte er jüngst intensiv den „Nordlichter“-Jahrgang 2012/13. „Das ist der nächste Olympia-Jahrgang“, gibt er zu verstehen. Sein Ziel mit dem ist unschwer zu erraten.
Quelle: 04.11.2026 Weser-Kurier, von Olaf Kowalzik



