In einer kurzen Mitteilung machte die „Habenhauser Sportmarketing GmbH“ (HSM) am Montag das offiziell, was bis dahin undenkbar schien: Trainer Matthias Ruckh, seit sieben Jahren Herz und Motor des ambitionierten Bremer Handball-Drittligisten ATSV Habenhausen, „ist derzeit beurlaubt“. Das Entscheidende ist hier das Wort in der Mitte: derzeit. Denn hinter den Kulissen des Vereins und der Handball-Abteilung geht es hoch her – mit völlig offenem Ausgang.
Nach Lage der Dinge ist bei diesem Handball-Beben alles möglich: Es kann sein, dass Ruckh bald wieder auf der Bank sitzt, schließlich läuft sein Vertrag noch bis 2028. Es kann auch sein, dass ein neuer Trainer übernimmt – und/oder dass die komplette HSM-Spitze um die Geschäftsführer Thomas Hasselmann und Sebastian Heller sowie den neuen Teammanager und langjährigen Kapitän Björn Wähmann bald nicht mehr im Amt ist, obwohl keiner von ihnen direkt an der Aufregung beteiligt ist. Das aber könnte das Aus für das ambitionierte Handball-Projekt in Habenhausen zur Folge haben, das in der Zukunft eigentlich den Aufstieg in die 2. Bundesliga vorsah.
Vorerst Pause für zwei Spieler
Der Brandherd ist in Habenhausen die Mannschaft, die nach einem schlechten Start auf dem letzten Platz der 3. Liga steht. Hier aber muss man präzisieren: Es ist wohl nur ein eher kleiner Teil des Kaders, der in den vergangenen Tagen etwas probiert hat, was manche in Kreisen des ATSV als Versuch einer Meuterei bezeichnen. Nach Informationen des WESER-KURIER haben diese Spieler, es soll eine Gruppe von etwa vier eher jüngeren Handballern sein, Probleme mit dem Führungsstil und dem ehrgeizigen Auftreten des Trainers Matthias Ruckh. Das kam in einer Mannschaftssitzung zur Sprache, in der es eigentlich um ein anderes Problem ging: Denn zwei weitere Spieler, Luc Schluroff und Torwart Antonio Berdar, hatten dem Verein signalisiert, dass sie über die Saison hinaus nicht mehr Teil dieses Handball-Projektes sein wollen. Beide fehlten prompt, ebenso wie Trainer Ruckh, am Wochenende bei der 30:35-Niederlage gegen GWD Minden II.
Nach einem Gespräch mit diesen beiden Spielern wurde laut Verein „gemeinsam entschieden“, dass sie erst einmal eine Pause machen. Die in Bremen kursierenden Gerüchte, dass Schluroff und Berdar suspendiert oder gar rausgeworfen wurden, entsprächen nicht der Wahrheit, betont Teammanager Wähmann.
Sicher hingegen ist: In den vergangenen Tagen gab es viele Gespräche in der Mannschaft und glühende WhatsApp-Gruppen. In alle Richtungen wurde dabei die Kommunikation zu den heiklen Themen bemängelt. Zu seinem eigenen Schutz, so sagen es manche beim ATSV, sei Ruckh aus der Schusslinie geholt worden. Wobei eigentlich klar sein müsste, dass Leistungshandball kein Streichelzoo ist.
Den Trainer vertraten beim letzten Heimspiel der am Rücken verletzte Routinier Niklas Mühlenbruch und Teammanager Wähmann. Dieses „aus der Schusslinie nehmen“ des Trainers erklärt auch diesen Satz in der nebulösen Mitteilung des Vereins: „Es handelt sich ausdrücklich zum aktuellen Zeitpunkt nicht um eine Entlassung, sondern um eine temporäre Maßnahme, über deren weitere Entwicklung in den kommenden Wochen entschieden wird.“
Das Training leitet nun Kreisläufer Mühlenbruch, unterstützt von erfahrenen Kollegen um Kapitän Lukas Feller. Ruckh selbst, seit Jahren Gesicht und Sprachrohr des Vereins, möchte sich zu den Vorgängen derzeit nicht äußern. Geschäftsführer Hasselmann sagte am Montag auf Nachfrage: „Im Interesse aller Beteiligten möchten wir erst Gespräche mit allen Seiten führen und dann Entscheidungen treffen.“
Eine Entscheidung könnte schon in dieser Woche fallen. Denn die Gruppe von Spielern, die sich beklagt, platzierte das auch beim Hauptverein ATSV Habenhausen. Dazu muss man wissen, dass der Verein mit seinem Vorstand Alexander Svoboda zugleich Hauptgesellschafter der „Habenhauser Sportmarketing GmbH“ ist, im Prinzip also die dortigen Geschäftsführer austauschen oder von ihnen einen Trainerwechsel verlangen könnte. Mitte der Woche soll es eine Sitzung der Beteiligten geben, an der offenbar auch wichtige Sponsoren teilnehmen.
Das ist deshalb brisant, weil mehrere Sponsoren direkt oder indirekt vom umtriebigen Trainer Ruckh an Bord geholt wurden; es scheint unklar, ob diese Geldgeber ihr Engagement überdenken, wenn Ruckh nicht mehr Teil des Projektes ist. Es geht also auch um viel Geld – was ein weiterer Grund dafür sein dürfte, warum die Verantwortlichen keine voreiligen Entscheidungen treffen möchten.
Quelle: Weserkurier 10.11.2025



