Englisch lernen, Team finden, Niederlagen verkraften: Der ATSV Habenhausen steht nach dem Abstieg vorm Neuanfang. Der „Habenhauser Weg“ soll eine junge Mannschaft formen – der Start ist jedoch schwer.

ATSV-Trainer Thomas Krüger (rechts) hat bei der Kaderzusammensetzung viel Wert darauf gelegt, dass die Spieler zusammenpassen.
Foto: Nils Conrad
Thomas Krüger muss schmunzeln. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf meine alten Tage noch einmal Englisch lernen muss“, plaudert der Handballtrainer des ATSV Habenhausen und zieht vergnügt die Mundwinkel hoch. Aktuell sei sein Stand bei der weltweit verbreitetsten Sprache Nummer eins „eher radebrechend“, wie er zugibt. Für seinen Last-Minute-Zugang in der Männer-Regionalliga, Jovan Danevski, zurzeit überwiegend Englisch sprechend, frischt er seinen sprachlichen Schwachpunkt aber gerne wieder auf.
Danevski, rechter Flügelspieler und ehemaliger Junioren-Nationalspieler Mazedoniens, war ebenso wie der niederländische U19-Nationalspieler Dante Louwers (Kreisläufer) erst in der Woche vor dem Saisonstart zum Team gestoßen. Womit auch schon die Herausforderung der Südbremer genannt ist, denn in ihrem 16er-Kader sind nach dem Drittliga-Abstieg nur fünf Spieler geblieben. Der Rest ist neu, wieder ins Team zurückgekehrt oder will es – wie im Fall des ATSV-Urgesteins Björn Wähmann – nach einer langen Verletzungspause noch einmal wissen. Sie alle sind Teil des „Habenhauser Wegs“: eine recht junge Mannschaft, in die auch Talente aus der Jugend eingebunden werden, die sich in der Regionalliga zunächst konsolidieren soll. „Wir haben bei der Kaderzusammenstellung viel Wert darauf gelegt, dass die Spieler menschlich zusammenpassen. Denn wir wollen perspektivisch mit ihnen über mehrere Jahre arbeiten und das Team weiterentwickeln“, betont „Thommes“ Krüger.
So gesehen blickte man beim ATSV mit großer Spannung auf den Saisonauftakt, da die gesamte Truppe bis dato nicht ein einziges Mal komplett im Übungsbetrieb war. Rund 350 Zuschauer waren bei der Heimpremiere in der Halle gewesen und erlebten einen 24:22-Heimsieg des ATSV über den TvdH Oldenburg. Wer es mit den Gastgebern hielt, war zufrieden nach Hause gegangen, da ihre Equipe einen ambitionierten Gegner in die Knie gezwungen hatte, der am Ende im oberen Tabellendrittel erwartet wird.
Warum sich das Team erst noch finden muss
„Wir wollten um jeden Ball kämpfen und damit das Publikum, ja, unser Dorf anzünden. Wenn unsere männliche A-Jugend trommelt und das Publikum mitklatscht und uns anfeuert, scheint uns das gelungen zu sein“, bilanziert Krüger zufrieden. Beim 10:12-Halbzeitrückstand, der eher in die 1980er-Jahre gepasst hätte, waren die Hausherren dank ihrer starken Verteidigung in Reichweite geblieben. In den finalen zehn Minuten wendeten die Blau-Weißen das Blatt, weil Finn-Luca Schwagereit im Habenhauser Tor gegen seinen Ex-Klub groß aufdrehte und nach dem 18:20-Rückstand nur noch zwei Gegentreffer zuließ. Der Doppelschlag von Jovan Danevski und Luc Schluroff zum 24:22-Endstand ließ alle ATSV-Verantwortlichen erleichtert aufatmen.
Einen Tag später standen Teile der Mannschaft Spalier beim Schirmherrn des „Habenhauser Wegs“, dem Gummersbacher Nationalspieler Miro Schluroff, der in Bremen seine langjährige Freundin Kathleen Hertes heiratete.
Das Kontrastprogramm zum Heimspielauftakt folgte eine Woche später bei der Auswärtspremiere gegen TuS GW Himmelsthür, die der ATSV Habenhausen mit 25:31 verlor. Die Gäste leisteten sich zu viele Eigenfehler und liefen ab dem 9:9 über 10:16 permanent einem Rückstand hinterher. „So ist das bei einer jungen Mannschaft: Sie kann auch mal überpacen“, sagt Thomas Krüger. Auch die Siebenmeterausbeute ist mit bislang 50 Prozent (von zwölf Strafwürfen zappelten lediglich sechs im Netz) ausbaufähig. „Wir müssen noch zu unserer Leistung finden. Dafür braucht dieses Team Zeit und Ruhe, um sich zu entwickeln“, wirbt der ATSV-Trainer um Nachsicht. An diesem Sonntag erwartet der ATSV Habenhausen um 17 Uhr das Schlusslicht HSG Ruhmetal in der Halle am Bunnsackerweg.
Quelle: 17.09.2026 Weser-Kurier, von Olaf Kowalzik


